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Autor: Wikimops, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Quelle: Wikimedia Commons
Assange ist nur frei, weil wir nicht locker gelassen haben
Der 25.06.2024 war mein 34. Geburtstag, und ich war am Morgen aufgrund einer persönlichen Niederlage nicht besonders gut drauf. Ich versuchte aber, die positiven Dinge zu sehen und den schönen Sommermorgen zu genießen. Da kam mein Mann auf mich zu, mit einem geheimnisvollen Lächeln, das ich so gar nicht von ihm kannte: „Ich hab ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk für dich – Assange ist frei!“
Erst dachte ich, er möchte mich auf den Arm nehmen, aber dann sah ich: WikiLeaks und sämtliche weitere Assange-Unterstützungs-Gruppen fluteten bereits die Sozialen Medien mit der unglaublichen Meldung, und bald darauf berichteten auch die Medien.
Am Nachmittag erhielt ich noch einen Geburtstagsgruß von einem guten Freund, der wohl noch keine Nachrichten gesehen hatte: „Vielleicht lassen sie ja sogar irgendwann Assange frei“, schrieb er nach den üblichen freundschaftlichen Glückwünschen – während dieser schon auf dem Weg nach Australien, nach Hause, war. Das kam mir total unwirklich vor.
Mein Einsatz für Julian Assange: Jahrelang gehofft und gehandelt, bis es mir irgendwann sinnlos erschien
Nachdem ich kurz nach Assanges Inhaftierung und seiner gewaltsamen Entfernung aus der ecuadorianischen Botschaft in London im Fernsehen eine Gruppe von demonstrierenden Assange-Unterstützern gesehen hatte, hat mich die Angelegenheit rund um Julian Assange emotional nicht mehr losgelassen, weil sie mir so absurd und ungerecht vorkam. Weil ein Mann, der niemandem etwas Böses angetan hatte, sondern über Leid aufklären wollte, leiden musste, während Menschen, die Kriege anzettelten und Massaker vertuschten frei und sich scheinbar keiner Schuld bewusst waren.
Ich hatte noch zu meinem Vater gesagt: „Schau mal, die kennen ihn gar nicht persönlich, und stellen sich doch für seine Freiheit auf die Straße! Das gibt mir den Glauben an das Gute im Menschen zurück!“
Das dürfte im Jahr 2019 gewesen sein,und dann begann ich zu recherchieren, warum Julian Assange denn nun eigentlich im Gefängnis war, ich kannte seinen Fall nur so ungefähr. Und ehe ich mich versah, war ich mitten drin in der Causa Assange, und habe auch jeden einzelnen Tag seiner Gerichtsverhandlung im September 2020 mitverfolgt. Der Büroleiter von Martin Sonneborn, Dustin Hoffmann, war damals als Prozessbeobachter dabei und berichtete jeden Tag auf YouTube. Ich habe mich dann auch an manchen Aktionen beteiligt, an einer Mahnwache in München zum Beispiel, und an der Foto-Aktion „We Are Millions“, für welche dieses Foto entstanden ist:

Ich habe Emails an verschiedene Politiker geschrieben und Leserbriefe an den Spiegel und andere Medien, die von Assange erst profitiert, und ihn danach im Stich gelassen haben. Ich habe in einem regionalen Magazin einen großen Assange-Artikel platziert und ich habe hier im Blog auch eine Artikel-Reihe über den Fall Julian Assange geschrieben, wo ich schilderte, warum mir diese Sache nahegeht und wie sie sich auf mein Leben ausgewirkt hat. Ich erinnerte auf Social Media immer wieder an ihn. Ich habe Julian Assange auch einen Brief ins Gefängnis geschrieben, insbesondere um dazu beizutragen, dass die Gefängnisleitung sieht, dass die Menschen ihn nicht vergessen haben.
Aber je länger Julian Assange in Gefangenschaft war, je länger sich die Gerichtsverhandlungen zogen und je hanebüchner die Urteile ausfielen, umso sinnloser kam mir das Engagement irgendwann vor. Vor allem als die damalige Britische Innenministerin Priti Patel die Auslieferung 2022 schließlich sogar genehmigte. Ich dachte zunehmend: Es interessiert die doch gar nicht, was wir alle fordern. Die machen eh, was sie wollen. Assange ist verloren.
Julians Gefangenschaftblieb stets präsent – auch ohne Unterstützung amtierender Politiker und großer Medien
Die großen Medien – ich spreche vor allem von den deutschen Medien, die ich am intensivsten verfolgt habe, aber auch die Englischen und Amerikanischen waren meiner Erinnerung nach nicht viel besser – haben nur sehr oberflächlich über den wichtigen Assange-Prozess 2020 berichtet. Dabei enthielt dieser so viele bedeutende Details und Zeugenaussagen und auch skandalöse Aspekte, wie dass Julian Assange wie ein gewalttätiger Schwerverbrecher in einem Glaskasten sitzen musste und nicht sprechen durfte – für mich sah das aus wie eine Demütigung. Die Medien hatten nicht einmal Vertreter vor Ort, sondern schrieben meist nur ab, was Presseagenturen an Informationen herausgaben.
Lauten Protest gab es seitens der großen deutschen Journalisten kaum – abgesehen von einigen wenigen, wie Deniz Yücel von der WELT. Auch die großen, amtierenden, einflussreichen Politiker schwiegen weitgehend zur Causa Assange, oder äußerten sich nur sehr zurückhaltend. Auffällig war, dass das Engagement pro Assange schnell nachließ, wenn jemand in Regierungsverantwortung kam, so wie bei Annalena Baerbock und Robert Habeck.
Es waren eher Politiker, die eben keinen großen Einfluss im Sinne eines hohen Amts (mehr) hatten, die sich für Assange starkt machten: Sahra Wagenknecht, Gregor Gysi, Sevim Dagdelen, Sigmar Gabriel, Herta Däumler-Gmelin, Frank Schwabe und viele mehr. Und sie haben etwas bewirkt! Klar, sie konnten keinen Kontakt zum amerikanischen Justizministerium oder zum Präsidenten aufnehmen, aber sie bauten öffentlich Druck auf. Zusammen mit vielen anderen Akteuren:
- Nils Melzer war der UNO-Sonderberichterstatter für Folter und andere unmenschliche Behandlung. Er, zuvor kein Mensch der Öffentlichkeit, hat sich selbst ins Rampenlicht begeben, um den Falls Assange anzuprangern. Öffentlich stellte er den Umgang mit Julian Assange als Folter dar und schrieb sogar ein Buch mit dem Titel „Der Fall Julian Assange“. Ich habe mir das Buch mehrmals gekauft und es an meine Freunde verteilt. Eventuell bin ich ihnen damit ein wenig auf die Nerven gegangen.
- Bernie Sanders und Yanis Varoufakis gründeten 2020 die Organisation „Progressive International“ und riefen das „Belmarsh Tribunal“ ins Leben. Viele Menschen der Öffentlichkeit – Politiker, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Whistleblower – sprachen vor dem online übertragenen Tribunal und forderten die Freilassung von Julian Assange. Teilnehmer waren unter anderem Daniel Ellsberg, Edward Snowden, Noam Chomsky, Stefania Maurizi und sogar Roger Waters von Pink Floyd, der Julian Assange eine großartige Version des Welthits „Wish you were here“ widmete.
Roger Waters singt für Julian Assange „Wish you were here“
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- Während die Mainstream Medien den Fall Assange nur verhalten kritisierten oder sogar gar nicht, und nur selten und oberflächlich das Prozessgeschehen verfolgten, berichteten eine ganze Reihe alternativer Medien sehr engagiert und detailliert über Assange. Viele der alternativen Journalisten stellten sich auch ganz klar hinter Julian Assange, darunter im deutschsprachigen Bereich die Nachdenkseiten, das Multipolar Magazin, Telepolis und Manova (damals Rubikon).
- Im englischsprachigen Bereich waren es vor allemConsortium News, The Grayzone, Useful Idiots, Democracy Now und mehrere bekannte Journalisten aus der „alternativen Bubble“, die keinem bestimmten Medium zugewiesen werden können, die immer wieder die Stimme für Julian Assange erhoben und über ihn berichteten, wie Glenn Greenwald, John Pilger und Richard Medhurst.
- Einen unerwarteten Höhepunkt erreichte die journalistische Assange-Unterstützung, als der in den USA extrem bekannte konservative Journalist Tucker Carlson in FOX NEWS kurz vor dem Ende von Donald Trumps erster Amtszeit den Noch-Präsidenten vor einem Millionen-Publikum bat, Assange zu begnadigen. Da war ich fassungslos. Es hat zwar nicht unmittelbar zur Freilassung geführt, aber was für ein Zeichen, der konservativen Zuschauerschaft zu signalisieren: Dieser Mann verdient es nicht, verurteilt zu werden.
- Auch wenn die NGO Reporter Ohne Grenzen manchmal dazu neigt, kritische Journalisten nicht zu schützen und bei mangelhafter Pressefreiheit in westlichen Ländern nicht so genau hinzuschauen, so hat sie im Fall Julian Assange doch wirklich gutes und hilfreiches Engagement bewiesen – und auch Amnesty International stellte sich nach Jahren dann endlich hinter Julian Assange, nachdem diese NGO zuvor noch sehr zurückhaltend darin war, den Umgang mit Assange öffentlich anzuprangern.
- Mit Roger Waters hatte Julian Assange einen weltberühmten Freund und Unterstützer an seiner Seite – eine lebende Legende eigentlich. Aber er war nicht der einzige Künstler, der seinen Namen immer wieder nutzte, um Assanges Freiheit zu fordern. Ebenfalls sprach sich zum Beispiel die Schauspielerin Pamela Anderson immer wieder für die Freiheit von Assange aus, ebenso wie der chinesische Künstler Ai Weiwei und die mittlerweile verstorbene Modedesignerin Vivienne Westwood.
- Aber auch weniger bekannte Musiker schrieben Songs für Assange und unterstützenden ihn auf diese Weise, zum Beispiel David Rovics in seinem Lied „Behind These Prison Walls“ und Guido de Gyrich mit dem deutschen Song „Lasst Julian Assange frei!“
Der Support-Song „Lasst Julian Assange frei“ von Guido De Gyrich
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- Und dann waren da natürlich noch all die Menschen, zu denen auch ich mich zähle, die Mahnwachen und Demos abhielten, sich in Unterstützungs-Netzwerken zusammenschlossen, Briefe und öffentliche Kommentare schrieben und einfach mit ihrem Interesse den Fall Julian Assange stets am Leben hielten. Weder ein Rockstar wie Roger Waters noch irgendein alternatives Medium hätten es geschafft, Assanges Schicksal als wichtiges Öffentlichkeitsthema aufrechtzuerhalten, wenn wir uns ihnen nicht mit Aufmerksamkeit, Interesse und Engagement zugewandt hätten. Wenn wir stattdessen einfach weiter in unseren Alltagssorgen herumgekramt und gesagt hätten, dieser weit entfernte Fall geht uns nichts an – dann soll sich der Typ halt nicht mit den Mächtigen anlegen – und wir können eh nichts tun.
Und plötzlich war Julian frei: Der öffentliche Druck war ganz bestimmt nicht egal
Die offizielle Erzählung stellt die öffentliche Unterstützung von Assange nicht in den Fokus. Die Erklärung für seine Freilassung lautet im Wesentlichen: Der Fall wurde zu teuer für die USA, und sie boten Assange einen Deal an, den er annahm: Sich in einem Punkt schuldig zu bekennen. Die bereits ohne Urteil verbüßte Haft im Balmarsh Gefängnis in London wurde an die Strafe, die etwa 5 Jahre betrug, angerechnet, sodass Julians Haftstafe im Juni 2024 als abgesessen galt.
Hätten sich die USA jedoch auf diesen Deal eingelassen, wenn es all diesen öffentlichen Druck nicht gegeben hätte? Es ging hier um Pressefreiheit, und die USA wollen natürlich als eine rechtschaffene Vorzeige-Demokratie dastehen. Die Mainstream-Medien haben sich, so schien es, kaum bedroht gefühlt durch den Fall Assange. Es schien, als ginge es sie nichts an.
Aber wir alle haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Julian Assange für publizistisch-journalistische Arbeit angeklagt werden soll. Dass eine Auslieferung an die USA und eine Verurteilung nach dem Espionage Act, wie es die Anklage vorgesehen hatte, die Pressefreiheit in den USA vernichten würde, und ein Exempel für den restlichen Westen wäre es auch gewesen. Wir haben betont, dass kein Journalist und kein Publizist mehr irgendeine heikle Angelegenheit veröffentlichen könnte, ohne in Gefahr zu sein, verurteilt zu werden. Und dass die USA dann ganz sicher kein Rechtsstaat mehr sein würden.
Genauso standen die Staaten Großbritannien und Australien unter Druck – der eine Staat, weil er einen Publizisten öffentlichkeitswirksam einfach gefangen hielt, der andere, weil er seinen Staatsbürger nicht schützt. Auch diese beiden Staaten wollen als Rechtsstaaten dastehen. Unter Anthony Albanese hat Australien dann auch wirklich endlich öffentlich damit begonnen, die Freilassung von Julian Assange zu fordern.
Ansonsten waren die hochrangigen Politiker und meinungsführenden Medien leise, aber ihnen gegenüber stand eine sehr laute Öffentlichkeit, die nicht aufhörte, den Fall Assange zu kritisieren und Julians Freilassung zu fordern. Was, wenn nicht dieser öffentliche Druck, soll denn sonst dazu geführt haben, dass die USA, um ihren Ruf besorgt, dem Prozess schließlich ein Ende bereitet hat? Hätte die öffentliche Meinung gelautet: Ja, Assange hat sich schuldig gemacht, ab mit ihm ins amerikanische Gefängnis, wäre er dort auch gelandet und säße dort bis jetzt, da bin ich persönlich mir relativ sicher. Genauso, wenn sich die Leute einfach nicht mehr für Julian Assange interessiert hätten.
Der Fall Assange gibt mir das Gefühl, dass „die da oben“ doch nicht einfach ignorieren können, was der Bevölkerung wirklich wichtig ist. Sie können es jahrelang missachten, sie können Kampagnen dagegen organisieren und haben oft die großen Medien auf ihrer Seite, die die öffentliche Meinung vehement zu beeinflussen versuchen. Aber bei Julian Assange hat all das nicht geklappt. Die Unterstützung für ihn blieb groß und wuchs sogar – bis der Druck anscheinend zu groß wurde.
Trotz Freiheit für Julian: Der bittere Beigeschmack am Fall Assange
WikiLeaks war meiner Meinung nach eine großartige Idee. Was die Leaks von Chelsea Manning über die Irak- und Afghanistankriege, deren Inhalte Julian Assange auf WikiLeaks sowie auch in Zusammenarbeit mit anderen Journalisten in großen Medien veröffentlicht hat, für eine Aufmerksamkeit erregt haben, war beeindruckend. Schockiert hat sich die ganze Welt angesehen, wie unbewaffnete Männer und sogar Kinder aus der Luft einfach massakriert werden, dieses Video wurde als „Collateral Murder“ bekannt. Und plötzlich wussten wir: Verdammt, das ist Krieg! Es ist das, das man uns lange als gerecht, sauber und wichtig für die gute Sache verkauft hat. Es ist schrecklich, unmenschlich, grausam und kaum zu ertragen. Aber heute – 16 Jahre nach den Leaks – toben nicht nur mehrere große, grausame, lange Kriege, sondern Krieg wird noch mehr als je zuvor als wichtig und leider notwendig beworben.
WikiLeaks war, so Assange, als „intelligence agency of the people“ gedacht, also als „Geheimdienst des Volkes“. So wollte Julian Assange die Welt besser machen: Indem er den Menschen eine Möglichkeit gab, die Machenschaften von Staaten zu kontrollieren. Dass unbemerkt von der Öffentlichkeit Dinge wie Kriegsverbrechen einfach begangen und unter den Tisch gekehrt werden, sollte dank WikiLeaks der Vergangenheit angehören. Aber Julian wurde seiner Freiheit beraubt und jahrelang psychisch gefoltert. Die Energie, sich für die Welt einzusetzen, wurde ihm entzogen. Und WikiLeaks ist so gut wie tot. Julian Assange sagte im Oktober 2024, er habe sich für die Freiheit und gegen eine „nicht realisierbare Gerechtigkeit“ entschieden.
15 Jahre nach Michael Jacksons Tod: Endlich wieder positive Energien für meinen Geburtstag
Trotzdem möchte ich meinen Artikel positiv beenden, denn letztendlich hat ein individuelles Schicksal sich am Ende doch noch zum Guten gewendet. Julian ist frei, und das ist das, was wir uns immer für ihn gewünscht haben. Er lebt zurückgezogen und tritt nur selten öffentlich auf, und wenn er nie wieder versuchen wird, sich für Gerechtigkeit und eine bessere Welt einzusetzen, könnte ich ihn absolut verstehen.
Ich kann jetzt, nachdem Julians Freilassung am 24.06.2024 dann am 25.06.2024 frühmorgens öffentlich bekannt gegeben wurde, meinen Geburtstag auch endlich wieder mit einem positiven, schönen Ereignis der Weltöffentlichkeit verbinden – genau 15 Jahre, nachdem am 25.06.2009 – meinem 19. Geburtstag – der „King of Pop“ Michael Jackson diese Welt verlassen hat.
Michael Jackson und Julian Assange haben uns viel gegeben. Sie wollten die Welt ein bisschen besser machen, der eine durch Musik und Liebe, der andere durch Gerechtigkeit und Transparenz. Aber beide sind durch die Hölle gegangen, unter anderem auch wegen fragwürdigen Anschuldigungen und medialer Diskreditierung. Beide Männer haben meinen Respekt, und es hat sich immer düster für mich angefühlt, dass der hochsensible Megastar ausgerechnet an meinem Geburtstag gestorben ist. Irgendwie hat es mich aber auch für immer mit ihm verbunden. Ich hab diesen Moment immer in sehr deutlicher Erinnerung behalten: Ich feiere mit meinen Freunden meinen Geburtstag, mein Vater kommt in die Küche und sagt: „Michael Jackson ist gestorben!“ Ich war damals fast noch ein Teenager und musikalisch gerade ausschließlich in den dunklen Goth-Tälern unterwegs, und doch war mir klar, dass die Welt hier einen der ganz Großen verloren hat.
Aber Julian Assange lebt und ist frei. Ich wünsche ihm ein wunderbares Leben mit seiner Familie in Australien, und dass seine Wunden heilen. Er hat die ersten Jahre seiner Söhne fast komplett verpasst, und auch Julians Frau Stella war viel mehr damit beschäftigt, für seine Freilassung zu kämpfen, als die Baby- und Kleinkindjahre ihrer Wunschkinder zu genießen. Das ist traurig, aber jetzt sind sie endlich zusammen.
Vielleicht dürfen wir irgendwann wenigstens Julians Autobiografie lesen oder kommen in den Genuss eines ausführlichen Interviews, in welchem er erzählt, wie er das alles ausgehalten hat. Das würde mich freuen. Aber hauptsächlich möchte ich einfach nur, dass es ihm gut geht.
Michael Jackson hat schon 1991 an die Menschen appelliert, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, aber es war vergebens. Die Welt ist 35 Jahre später in einem schrecklichen Zustand, vielleicht noch schrecklicher als 1991. Aber dass Julian Assange frei ist, ist vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Zukunft. Einfach weil er lebt und es gut ausgegangen ist und wir ihn freibekommen haben. Weil es sich manchmal doch lohnt, nicht aufzugeben. Es fühlt sich schon gut an, einen Artikel über Julian Assange zu schreiben, ohne die Forderung „Free Assange!“ integrieren zu müssen. Stattdessen zitiere ich zum Schluss den King of Pop, weil er genau das in eine Melodie gegossen hat, was Julian Assange mit seiner Idee von WikiLeaks versucht hat: „Heal the world, make it a better place. For you and for me and the entire human race“
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